Was bisher geschah …
“Nicky?!”
“Was?!”, keifte ich Luzi Ver an, “Siehst du nicht, dass ich beschäftigt bin?!”
“Nicky! Da kommt jemand! Stell sofort die Fotoalben wieder ins Regal.”
Und da hörte ich schon das knarksen der Haustür und ein leichter Duft von Sommersonnenwiese strömte in Tascha’s Wohnung. Schnell schob ich die Fotoalben ins Regal zurück und achtete nicht weiter darauf, ob ich irgendeine komische und komplizierte Reihenfolge eingehalten habe, Tascha war da zwar etwas komisch in der Hinsicht, aber ihr Ordnungssystem hat bisher noch keiner herausgefunden. Bei ihr stand auch gern mal ein Buch auf dem Kopf und sie behauptete felsenfest, dass es so sein muss, weil sonst die positiven Strömungen in die falsche Richtung fließen würden.
Und während ich die Alben hin- und herschob, schubste ich das Fotoalbum mit der Aufschrift Seelenschreiber an.
Ich beugte mich herunter und hörte wie Tascha in der Küche am handwerken war. Sicher macht sie sich wieder einen komischen Ach-mir-geht-es-so-scheiße-Tee und mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit wird sie gleich ins Wohnzimmer kommen …
“Scheiße!”
“Was’n Nicky?”
“Kann sie uns hören, sehen, riechen, spüren oder was auch immer?”
“Nöp! Kann sie nicht.”
“Uff … dann bin ich beruhigt.”
“Sie sieht nur ein Fotoalbum in der Luft schweben und wird laut schreien, wenn sie ins Wohnzimmer kommt. Du solltest das Album schleunigst ins Regal stellen und dann machen wir eine Fliege.”
“Ja, du hast Recht. Ich habe hier sowieso nichts ichtiges gefunden.”
Doch so ganz richtig war das nicht. Ich blätterte gerade das Album grob durch als mir auffiel, dass es nur männliche Schwarzweis-Portraits enthielt.
Fortsetzung folgt bei Mark …
Was bisher geschah …
“HEY!”, rief ich aus. Ich fing an zu hyperventilieren. Mit der rechten Hand fächerte ich mir Luft zu.
“Du bist tot! Hör auf mit dem Blödsinn.”, kommentierte Luzi Ver mein Verhalten.
“Aber … aber … ” - “Hör auf zu stottern!” - “Aber da unten ist Ronny!”, seufzte ich erschöpft.
Luzi Ver sprang aufs Fensterbrett und schaute auf die Strasse und sah den Mann noch um die Ecke huschen. “Hm … nix wie hinterher!”, sagte das Tier, sprang vom Brett und mir in den Arm.
“Wowowow … ahhhhhhhhhhhhhhhhh …”, mehr konnte ich nicht mehr sagen, schreien, rufen, flehen oder was auch immer, denn es ging alles sehr schnell. Es wurde schwarz, es wurde laut, es drehte sich alles, es krachte und es machte ‘platsch!’.
Ich stand auf der Strasse und mit beiden Füßen in der Scheiße.
“Wenn du ihn noch erwischen willst, dann musst du dich beeilen.”, keifte die Katze und machte bereits drei Schritte in Ronny’s Richtung.
“Was war das?”
“Was war was?”
“Was war das eben?”
“Ach das?! Das war Portieren auf höchstem Nieveu. Dafür habe ich schon in der Schule die besten Noten bekommen.”, triumphierte Luzi Ver.
“Du verarschst mich jetzt!”, stellte ich fest und nestelte ein Taschentuch aus meiner rechten Hosentasche.
“TSCHAWUSCHEX!”, rief Luzi Ver und ich steckte in Turnschuhen. Mit sauberen Füßen. Und weißen Tennissocken.
“Ich will jetzt nicht darüber nachdenken! Ich geh jetzt einfach hinter Ronny her und dann werde ich meinen Körper finden und endgültig tot sein.”
“Na hoffentlich!”
Eigentlich brauchte ich ein paar Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate der Erholung, um zu begreifen was mit mir geschehen war. Ich war tot. Soweit hatte ich das schon mit bekommen. Die Katze ist mein Schutzdämon. Schutzdämon?! Ich sollte mir ein Liste mit ungeklärten Vorfällen machen. Wieso war ich tot und warum kann ich mich nicht erinnern?
In der S-Bahn hatte ich mich hinter Ronny gesetzt. Er roch noch immer nach Party. Party?
“Luzi Ver? Was war auf der Party?”
“Das, mein Lieber, musst DU herausfinden. Und hör auf Ronny im Ohr zu puhlen. Das ist eckelig!”
Fortsetzung folgt bei Mark …
Was bisher geschah …
“Bist du dir sicher?”, fragte ich Luzi Ver, die Katze, die plötzlich sprechen kann und ziemlich zickig ist.
“Und ob ich da sicher bin!”, nickte das Tier und dabei wackelten seine Ohren rythmisch im Takt.
“Du hast Schlappohren.”, stellte ich fest.
“Lenke nicht vom Thema ab, Mister Neudämon. Also - nochmal zum mitschreiben: Du bist gestern gestorben. Mausetot. Ende. Aus. Stillstand. Solange du nicht alles erledigt hast, bleibst du amorph und schwebst wie Nebel durch die Stadt. Klar so weit?”
“Also kann ich durch Wände gehen … äh … fliegen?!”
“Ja, eigentlich schon … aber es reicht, wenn du dich ein kleinwenig konzentrierst und dann geht die Tür von allein auf.”
“Und was kann ich noch?”, wollte ich voller Neugier wissen.
“Was du noch alles kannst, ist völlig egal. Du hast hier was zu erledigen und das ein bischen flott, wenn ich bitten darf, ich will Feierabend machen!”
“Hä?! Wie? Ich will Feierabend machen? Ich versteh’ grad nur Bahnhof …”
“Bei der nächsten Jobausschreibung werde ich mir die Sache mit der Intelligenz noch mal durch den Kopf gehen lassen.”, maulte Luzi Ver und rollte mit den Augen, soweit eine Katze mit den Augen rollen kann.
“Man Nicki - wenn du deinen Körper gefunden hast, kann ich Feierabend machen und du darfst dann endgültig abnippeln.”
“Du bist takt- und piätetslos. So spricht man nicht über Tote.”
“So nun beruhigen wir uns mal wieder und nun denk mal nach. Was ist das letzte an das du dich erinnerst, bevor du mich das erste mal reden hörtest?”
Oha! Ich erinnerte mich lebhaft. Da waren Tascha, Johnny, Marie … eine Party, ich glaube Elmo hat irgendwas verrücktes gefeiert … es wurde wieder viel getrunken, viel gelacht und geknutscht … Wer, um Gottes Willen hatte die scheiß Idee mit dem Witchboard gehabt? “Und ich sagte noch: Leute lasst das sein. Haben die auf mich gehört? Nein! Haben sie nicht! Man …”, grummelte ich.
“Naja, zumindest weißt du schon mal, wo du anfangen kannst zu suchen, oder?”, kicherte Luci Ver.
Fortsetzung folgt bei Mark …
Was bisher geschah …
Unsanft wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Geschrei. Gepolter. Schreckliches Gezeder. Wo kommt das her? Bin ich wirklich schon wieder wach? Ich öffne die Augen, die Geräusche drangen von der Strasse herauf. Durch das geschlossene Fenster. Wie benebelt versuche ich aufzustehen. Meine Beine versagen. Ich sacke zusammen und bleibe regungslos am Boden liegen. Was ist passiert? Wieso versagt mein Körper? Nicki, ganz ruhig und noch einmal von vorn!, sagte ich mir und konzentrierte mich auf meine Muskeln.
Sekunden vergehen. Mir kommt es vor wie endlos lange Stunden. Draußen schreien sich Männer an. Autos hupten. Reifen quitschten. Dann trifft Blech auf Blech.
!Kawummmmmm!
“Du musst aufstehen, Doofnase!”
“Halts Maul, Mieze!”, schreie ich die Katze an, die mich hämisch angrinste.
Mit einer Hand stemme ich mich vom Boden ab und langsam regeneriert sich mein Kreislauf.
“Was ist da unten los?”, mehr zu mir als zu sonsten jemand.
“Die prügeln sich.”
“Das du reden kannst bilde ich mir ein und darum kümmere ich mich später. Jetzt muss ich erst mal sehen was da unten für ein Krach ist.” Vorsichtig wanke ich zum Fenster und lege meine Hand auf den Fentergriff.
!Wusch! vorbei gegriffen. Irritiert schaute ich meiner Hand zu, wie sie nebelartig durch den Griff greift.
“Das darf doch nicht wahr sein! Was ist das?”, konstantierte ich entsetzte und schlug mit der rechten Hand nach dem Fensterglas. Die Wucht des Schlages war so gewaltig, dass ich den Halt verlor und mich mit Schwung um die eigene Achse drehte. Nebelschwaden zogen zähfließend im Raum umher.
“Spinn ich jetzt total?”, wieder mehr zu mir als zu einer anwesenden, sprechenden Katze.
“Nicki, schon mal darüber nachgedacht, wieso du mich plötzlich verstehen kannst?”, fragte Mieze. “Übrigens! Mein Name ist nicht Mieze, auf sowas Bescheuertes können wirklich nur Dosenöffner kommen. Mein Name ist Luzi Ver und ich bin dein Schutzdämon und ER ist auch nicht das was er vorgibt zu sein, aber das soll er dir mal schön selbst erzählen.”
Fortsetzung bei … Mark
Was bisher geschah …
Mit einen scheppern flog die Haustür ins Schloß und ließ die Fensterscheiben erzittern.
Was um alles in der Welt war das?, fragte ich mich und starrte auf das Küchenfenster. “Leichter Wellengang im Gemüt!”, flüsterte ich. “Tschüss!”, rief ich in den Flur, was völlig unnütz war, denn ER war ja bereits hinter der Haustür.
“Männer!”, kopfschüttelnd fingerte ich am Kaffeelöffel und aus den Augenwinkeln nahm ich ein Schatten wahr.
Was war das nun wieder? “Hallo?!” Nichts ausergewöhnliches zu hören, nur das Brummen des Kühlschranks und das Schnurren SEINER Katze.
“Du bist ein Trottel!”, rief ich in den Flur. “Ich weiß, dass du am Telefon stehst und darauf wartest, dass ich in den Flur komme.” Wieder klapperte ich mit dem Kaffeelöffel in der leeren Tasse herum. “Nein, nein, mein Freund … so einfach ist das diesmal nicht!”
Was hat er sich nur dabei gedacht? Dabei hatte mal alles so harmlos begonnen.
“Diesmal wirst du wirklich kämpfen müssen! Die lassen nicht locker, bis du ihnen gibst was ihnen gehört”, schrie ich in den Flur, doch es kam keine Antwort. Auch SEINE Katze hörte mit dem schnurren auf, schaute mich vorwurfsvoll an und stand dann gemächlich von meinem Schoß auf.
“Weißt du, Mieze, die ganze Sache ist deinem Herrschen zu Kopf gestiegen und nun soll ich das wieder hinbiegen.”
“Du bist das doch gewohnt.”
“Was?”, ich schaute Mieze an. “Hast du gerade was gesagt? Quatsch! Man, ich höre schon Katzen reden. Ich brauch dringend Schlaf.”
“Nicki, du wirst es auch diesmal wieder hinbiegen.”
Nun wurde es aber unheimlich. Eigentlich bin ich in solchen Dingen ziemlich offen und frei, ziehe jedoch die Realität vor und leben gern im Hier und Jetzt. Katzen können nicht reden. Katzen können schnurren und fauchen. Das war eine wissenschaftlich erwiesene Tatsache und an der konnte und wollte ich nicht rütteln lassen, auch wenn Mieze mich nun angrinste.
“WAS?!”, fauchte ich die Katze an. “Du bist eine Katze und kannst nicht reden. Ich halluziniere.”
Ich stand auf, ging ins Schlafzimmer und legte mich auf’s ungemachte Bett.
Die Augen fielen mir zu und in meinen Gedanken saß ich am See und dann war Er plötzlich da. Mit seinen lustigen Augen und seinem quirligen Lachen. Eine Wand türmte sich auf. Alles Bunte und Leben wurde Schwarz und Tot. Wie ein Bühnenvorhang teilte sich die Dunkelheit und eine lachende Fratze kam in rauschender Geschwindigkeit auf mich zu. Krallenhände packten mich an und zogen mich in die Dünsternis hinein …
Fortsetzung folgt … von Mark