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2. Mai 2009

Bordesholm: Hinterm Haus VIII

Abgelegt unter: Bordesholm, Stories — Renee @ 10:00

Ein wenig war ich schon nervös und ich gebe zu, dass meine Finger nicht vor Kälte zitterten und der Flugwind war auch nicht unbedingt Schuld an den Salzperlen, die nun gemächlich meine Wangen runtertropften und relativ unelegant auf’s Briefpapier fielen.
Vorsichtig drehte ich das Pergament noch einmal umher. Es hatte keinen Zweck, ich musste ihn noch einmal lesen.

Liebe Lucie Ver,

sicher wirst du dich wundern, dass dieser Brief an dich gerichtet ist. Doch lass mich erklären:
Die Legende um das Goldene Licht hat man dir erzählt. Du weißt, dass du eine wichtige Rolle für das Volk der Grünlinge spielst, auch die Goldkäfer sind an deinem Lichtfänger interessiert. Dein Lichtfänger ist sehr handlich und mit allerlei Zaubereien ausgestattet und wir haben keine Zweifel daran, dass du deine Aufganbe erfolgreich und ohne Komplikationen erfüllen wirst.
Nicht Tinkerbell ließ mich wissen, dass sie dir einen kurzen Blick auf ihr Äußeres gewährte und sie sehr froh darüber war, dass du nicht vor Schreck weg gelaufen bist.
Sie freut sich sehr, dass sie dich begleiten durfte und so an ihrer Rettung teilhaben darf.
Ja - Nicht Tinkerbell ist meine entführte Tochter.
Doch das allein reichte den Goldkäfern nicht. Sie wollen unser Volk unterdrücken und uns in die Skalverei zwingen. Unter unelfischen Bedingungen sollen wir für sie Löwenzähne zähmen, damit diese gemolken werden. Dazu musst du wissen, Löwenzahnmilch ist Lebenselixier der Goldkäfer und ohne diese Substanz würden sie aussterben. Sicher fragst du nun, warum sie das nicht selbst machen - tja, das liegt an ihrer umfangreichen Gier nach mehr und mehr.
Wir Grünlinge hatten Jahrzausende erbitterter Kämpfe gegen die Goldkäfer bestritten, doch vor rund zweihundert Jahren hatten sie meine Tochter gefangen genommen.
Den Rest kennst du, liebe Lucie Ver.
Und wenn du dich fragst, warum Nicht Tinkerbell dich aussuchte, so kann ich meine Tochter sehr gut verstehen. Wer so selbstlos einem unsichtbaren Wesen hilft, der trägt ein goldenes Herz in sich.

Herzlichst
Isa Bell

“Nicht Tinkerbell?”, rief ich.
“Ja, Lucie Ver?”
“Warst du das neben der Hummel?”
“War ich was neben der Hummel?”
“Im Rapsfeld?”
“Ähm … und sag’ jetzt nicht, ich sei hässlich!”, keifte der Günling.
“Nein, das tue ich nicht.”
“Dann ist ja gut!”
“Wie lange brauchen wir noch?”
“Georg meint, dass wir in wenigen Minuten zum Landeflug ansetzt.”

Und so war es auch. Keine vier Minuten später holperte und stolperte mein Transpoter übers Feld und ich wunderte mich, dass ich bei der Landeaktion nicht aus dem Sattel flog und Hals über Kopf im Wasser landete. Nun wenige Zentimeter vom Ufer des verwunschenen Sees entfernt, kam der Vogel zum stehen.
Und wieder macht es PLING ZISCH PLONG und das Weizenfeld um mich herum wurde immer kleiner und ich immer größer. Dann sah ich es vor mir.
Majestätisch breitete es sich mit weiten Zügen über den Baumkrone aus und begann seine Farben einletztes mal leuchten zu lassen.

“Wir müssen uns beeilen!”, schrie mich Nicht Tinkerbell an und dieser verfluchte Pikser im rechten Oberarm war heftiger den je.
“Eines verspreche ich dir! Wenn du wieder frei bist, dann piks ich zurück!”
“LOS! LOS! LOS! Du dummes Menschenkind! Das goldene Licht verschwindet!”, jammernd, flehend, bettelnd und letzendlich doch keifend und schreibend.
“Nur mit der Ruhe!”
“Wir haben keine Zeit!” Und wieder ein fieses Piksen; diesmal mitten auf die Nase.
“Geh mir aus der Sicht!”, keifte ich diesmal zurück. “Was muss ich eigentlichmachen?”, fragte ich Nicht Tinkerbell etwas irritiert. “Ich dachte immer, du bist der Lichtfänger.”
“Nimm deinen Zauberkasten und mach das was du immer machst.”
“Meinen Zauberkasten? Du meinst meine Kamera?”
“JA! Nun mach schon!”
“Nun denn!”, sagte ich seufzend und nahm meine Kamera zur Hand, blickte mich um, schaltete meinen Zauberkasten ein, dachte kurz nach und ging in die Hocke. Unsere Transporter schnatterten und watschelten aufgeregt am Ufer entlang.
“Die fliegen jetzt aber nicht los?!”, bemerkte ich und drückte den Auslöser.

#07

Die Feierlichkeiten waren bereits seit Tagen im vollen Gange, als ich zum x-ten Male versuchte mich davon zu schleichen. Ich wollte endlich wieder in meinen Garten und nach Hause. Dieses Abenteuer werde ich so schnell nicht vergessen und Nicht Tinkerbell und Isa Bell hatten mir versprochen, dass sie mich sehr schnell nach Hause bringen würden.
Sehr schnell scheint bei den Grünlingen eine andere Dimension zu haben, dachte ich mir als der Hochmarschall seinen Zeremonienstab dreimal auf den Palastboden klopfte.
Alles wurde muksmäuschenstill. Die Grünlinge verbeugten sich und ein wunderschönes junges Grünlingwesen schwebte in den mit Kerzen erleuchteten Spiegelsaal.
Plötzlich rief eine Stimme: “Hoch lebe Nicht Tinkerbell!” Und die Anwesenden stimmten mit ein: “Hoch lebe Grünling! Hoch lebe Isa Bell!”
Nicht Tinkerbell hob ihren kleinen grünen Flügel und alles schwieg.
“Es ist an der Zeit, dass Lucie Ver ihre Überraschung erhält.”
Applaus toste auf.
“Meine liebe Freundin Lucie Ver. Dein lebenlang habe ich dich behütet und auf diesen Augenblick gewartet. Nun endlich, nach dem ich wieder das bin, was ich einst war - die Lichtbringerin meines Volkes - kann ich dir deinen sehnlichsten Wunsch erfüllen. Schließe deine Augen …”

PLING! ZISCH! PLONG!

Als ich meine Augen öffnete, sah ich, dass ich wieder in meinem Garten stand. So als hätte ich ihn nie verlassen und ein Singsang wisperte mir zu: “Danke, Lucie Ver.”
“Werden wir uns wiedersehen?”
“Wenn du mich brauchst.”

FIN

1. Mai 2009

Bordesholm: Hinterm Haus VII

Abgelegt unter: Tiere (Wildlife), Stories — Renee @ 10:00

“Spielen wir jetzt Niels Holgerson und Martin, die Hausgans?”
“Niels wer? Ich kenn nur Peter Pan, und das war nicht lustig!”
“Du willst nicht wirklich, dass ich mich auf eine Wildgans setzte und davon fliege?!”
“Doch, das will ich!”
“Das war eine rhetorische Frage.”
“Ich will es trotzdem.”
“Nicht Tinkerbell, dir wird sicherlich aufgefallen sein, dass ich nicht gerade wie Twiggy aussehe?! Und wie um alles in der Welt willst du es schaffen, dass die Gänse nicht schon beim Anblick meiner Walkürenfigur zusammen brechen?”
“Ach Lucie Ver, du bist echt dumm! Eine Walküre ist ein Totendämon und bringt die Helden nach Walhalla. Und du bist weder zu fett, noch zu dünn oder zu groß und nun Schluß mit deinem Geblärren, wir müssen los!”

Plötzlich macht es PLING! ZISCH! PLONG! und das gerade noch knöchelhohe Gras wuchs mir über den Kopf.
“Nicht Tinkerbell” Das finde ich nicht lustig!”
“Wir müssen uns beeilen, Lucie Ver. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Unsere Transporter werden uns zum verwunschenen See bringen. Vertraue mir!”

Und plötzlich beugten sich ein gigantischer Wildgansschnabel über mich und packte mich am Hemdskragen. Geschickt landete ich auf einem Sattel. Ich staunte nicht schlecht.
“Lucie Ver?! Sitzt du gut?”, keifte Nicht Tinkerbell.
“Ja. Aber mache sowas nie wieder mit mir!”
“In der rechten Satteltasche müsste ein Brief für dich sein.”

Ich wunderte mich auf dieser abenteuerlichen Reise über nichts mehr, und schon gar nicht über den Brief in der Satteltasche, und auch nicht, dass die Wildgänse laut schnattert ihre Flügel ausbreiteten und immer schnelleren Schrittes über die Wiese liefen. Nein, ich wunderte mich nicht mehr und öffnete den Brief.
“Wie lange brauchen wir?”, rief ich Nicht Tinkerbell zu.
“Georg meint, du sollst dich entspannen, deinen Brief lesen und die Aussicht genießen.”

#06

Fortsetzung folgt …

30. April 2009

Bordesholm: Hinterm Haus VI

Abgelegt unter: Tiere (Wildlife), Stories — Renee @ 10:00

Immer noch leicht irritiert von den Geschehnissen der letzten Stunden stampfte ich durchs hohe Gras und ließ meinen Gedanken freien Lauf …
Merkwürdig, dass ich Nicht Tinkerbell nicht sehen kann oder darf oder soll oder muss oder was auch immer. Und ebenso merkwürdig, dass Isa Bell auf den Kobold verzichtete. Tz … Du hast einen Lichtfänger bei dir, du brauchst nicht zu tauschen. Dein Lichtfänger, Menschenkind, wird das goldene Licht bannen und mir meine Tochter wieder bringen, hatte Isa Bell gesagt und als ich zum wiederholsten mal die Geschichte erzählen sollte, wippte plötzlich das Rapszweiglein neben der Hummel. Hmmmm … ob das Nicht Tinkerbell sein kann? Naja, ich finde schon, dass das grüne Ding wie ein Kobold ausschaut. Moment mal …?! Ist Nicht Tinkerbell der Lichtfänger den Isa Bell meinte?!

“Lucie Ver, sieh mal da drüben”, rief Nicht Tinkerbell aufgeregt heraus.
“Zwei Wildgänse in einem Teich, na und?!”
“Das sind nicht einfach nur zwei Wildgänse in einem Teich!” Und da war sie wieder, die lang vermiste Keiferstimme.
“Du keifst!”
“Ich tue was?”
“Du keifst … bellst … schreist … benimmst dich wie ein Hofund.”
“Das habe ich alles nicht gehört”, antwortete Nicht Tinkerbell fast schon singend.
“Und wieso sind das keine einfachen Wildgänse?”
“Lucie Ver, DAS sind unser Transporter.”

#04

Fortsetzung folgt …

29. April 2009

Bordesholm: Hinterm Haus V

Abgelegt unter: Tiere (Wildlife), Blümchen, Stories — Renee @ 10:00

“Das ist ja wohl die Höhe gewesen! Lucie Ver! Du bist ein selten gescheites Menschenkind! Das muss ich neidlos zugeben!”
“Nun ist aber gut, Nicht Tinkerbell … Komm wieder runter und beruhige dich.”
“Da kann ich mich noch Jahrtausende drüber freuen, wie du die Käfer ausgetrickst hast. HaHa … Wie die da rumgelaufen sind und die Pollen gesucht haben und dann die Sache mit Isa Bell. Man, man … Du bist echt klasse, Lucie Ver! Aber bitte, erzähl mir das noch einmal, wie dir Isa Bell die Geschichte vom Goldenen Licht erzählt hat”, bettelte Nicht Tinkerbell.
Mir enfleuchte ein tiefer Seufzer: “Das ist dann das letzte Mal! …

#05

… Es war einmal eine Königin …”
“Ich bin auch mit der kurzen Version zufrieden”, platzte Nicht Tinkerbell dazwischen und plötzlich wippte der Raps - neben der Hummel - auf und ab.
“Das ist gut … Isa Bell hatte eine Tochter und die wurde von den Goldkäfern entführt. Um Isa Bells Tochter zu befreien, muss ein Menschenkind das Goldene Licht hinter’m verwunschenen See einfangen und für immer bannen. Isa Bell verzichtet auf meinen Kobold, da ich scheinbar einen Lichtfänger dabei habe. Wenn ich das Goldene Licht Isa Bell übergebe, wird ihre Tochter wieder erscheinen. Oder so ähnlich.”
“Ja, ja, ja, ja, ja … das war alles richtig erzählt. Wunderbar erzählt. Einzigfabulös erzählt! Meine liebe Lucie Ver! Und jetzt auf, auf, auf … Wir haben das Goldene Licht zu fangen.”

Fortsetzung folgt …

28. April 2009

Bordesholm: Hinterm Haus IV

Abgelegt unter: Blümchen, Stories — Renee @ 10:00

“Peter Pan”, brustete ich lachend hervor.
“Das ist nicht witzig!”
Noch immer kichernd winkte ich den Wirt heran: “Zahlen bitte.”
“Und?! Wie heißt du nun?”, fragte Nicht Tinkerbell.
“Lucie Ver”, flüsterte ich Nicht Tinkerbell zu, in der Hoffnung, der Mistkäfer hört es.
“Alles zusammen?”, brummte der Gastwirt.
“Brennnesselsuppe und Bärlauchbrot, nebst ein Becher Honigmet.”
“3 Taler und vier Silbermünzen und ein gratis Ratschlag von mir: Leg’ dir einen anderen Namen zu!”
Etwas irritiert schaute ich den Wirt an und kramte in meinem Geldbeutel nach den verlangten Münzen. “Ähm … ich werd’s mir überlegen. Darf ich noch eine Frage stellen?”
“Sicher doch, Menschenkind, nur zu.”
“Kennen Sie die Legende vom Goldenen Licht?”
“Tzzz … Menschenkinder können so dumm sein …”, antwortete der Wirt, raffte die Münzen zusammen und drehte sich zum gehen.
“Ach ja?!” dieser Ausruf schien nicht nur bei Nicht Tinkerbell zu funktionieren.
Der Wirt drehte sich zu mir herum und sagte: “Geh’ zum Haus der Tausend Käfer, frage dort nach Isa Bell und nimm einen Kobold mit. Und nun geh … das Goldene Licht wird nicht auf dich warten!”

Als wir das Brennnesseltal verlassen hatten, kamen wir an eine Weggabelung.
“Nicht Tinkerbell?”
“Ja? Lucie Ver?”
“Kennst du den Weg?”
“Natürlich kenne ich den Weg!”, triumphierend.
“Rechts, links oder geradeaus?”
“Da lang!”, sprachs und da spürte ich das Piksen im rechten Oberarm.

Nach einer schier unendlichen Menge Zeit hatte ich kein Gefühl mehr in den Beinen.
“Nicht Tinkerbell, wir müssen eine Pause machen. Ich kann nicht mehr.”
“Nur noch ein paar Meter und wir sind da. Ich kann das Haus von hieraus sehen … nur noch um die Weide herum …”

#03

Fortsetzung folgt …

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